Interview mit Timo Geppert
  08.04.2020 •     Verband


So hatte er sich seine erste Saison nicht vorgestellt. Zum Jahreswechsel hat er Horst Reuter als kommissarischen Landesspielwart abgelöst, im Januar hat das HVV-Präsidium ihn zum Vorsitzenden der Spielkommission gewählt. Timo Geppert hat uns ein paar Fragen beantwortet.

Vorab, wie bist du überhaupt zum Volleyball gekommen?

Über den Schulsport und Jugend trainiert für Olympia.

Was macht den Sport für dich besonders?

Zum einen ist es die „relative“ Kontaktlosigkeit zum Gegner. Zum anderen mag ich Volleyball, weil es eine schnelle und taktische Sportart ist.

Ebenso nicht zu verachten ist die lockere und freundliche Art der Volleyballerinnen und Volleyballer, die schon für die ein oder andere gemütliche Stunde nach dem eigentlichen Spiel gesorgt hat.

Warum engagierst du dich im Ehrenamt?

Gute Frage! Es muss eben immer auch die Freiwilligen geben, die neben dem eigentlichen Kern des Ganzen – in unserem Fall dem Volleyball – erkennen, dass es Dinge rundherum zu tun gibt, ohne die unser Sport nicht so ohne Weiteres möglich wäre.

Manchmal entsteht bei mir schon der Eindruck, die Arbeit für andere zu machen. Glücklicherweise wird aber die ehrenamtliche Tätigkeit von vielen auch mit netten Worten und Gesten honoriert. Was bei mir zum Fazit führt, dass es auch Spaß macht, sich neben dem eigentlichen Sport für Volleyball einzusetzen.  

Warum jetzt genau diese Funktion?

Erstens, weil der HVV hier Verstärkung gesucht hat. Das Amt war lange Zeit schon kommissarisch besetzt. Horst Reuter gilt großer Dank für die geleistete Arbeit in den letzten Jahren! Als Vorstandsmitglied bleibt er weiterhin im hessischen Volleyballverband tätig.

Zweitens, war ich bereits vorher im Themenfeld Spielwesen auf Bezirksebene tätig. Da hat es sich angeboten.

Was genau möchtest du bewegen?

Zuerst einmal wollte ich einen Überblick über die Tätigkeitsfelder des Vorsitzenden der Landesspielkommission bekommen und mir einen Einblick in die anderen Kommissionen verschaffen, um eine möglichst gute Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Das Hauptziel ist immer, dass der Rundenbetrieb bei den Erwachsenen, Jugendlichen und Senioren ohne Probleme und reibungslos verläuft und keine Schwierigkeiten organisatorischer Art auftreten.

Aber hier gilt, wie so oft in unserem Sport, das „wir“! Denn nur mit Hilfe der vielen Helfer – in meinem Fall – der Bezirksspielwarte, den Staffelleiter und Staffelleiterinnen, der Geschäftsstelle und den freiwilligen Helfern, welche die tatsächliche Arbeit leisten, ist das alles umsetzbar.

Nun wurde der Spielbetrieb abgebrochen:
Wie hast du die Zeit seit Anfang März erlebt? 

Intensiv trifft es wohl am besten. Wir haben uns relativ früh mit dem Thema eines vorzeitigen Endes der Saison beschäftigt und uns bereits rege mit dem DVV ausgetauscht. Als dort dann die Nachricht der Absage kam, konnten wir schnell reagieren und ebenfalls kurzfristig die Saison vorzeitig für beendet erklären.

Der schwierige Teil folgte erst danach: Wie werten wir die Saison? Mir war hier anfangs wichtig, eine möglichst einheitliche Lösung zu erreichen. Nachdem der DVV seine Regelung bekannt gab, haben wir geprüft, ob wir dieser 1 zu 1 folgen können. Leider hätte das aber vor allem bei den unteren Ligen für extreme Verwerfungen gesorgt und die Bezirksoberligen stark aufgebläht. Daher mussten wir einen alternativen Lösungsansatz finden.

In einer Online-Konferenz mit allen Landesspielwarten und dem Bundesspielwart, in der wir uns zu den Lösungen der einzelnen Landesverbände ausgetauscht haben, kam der entscheidende Impuls für die Lösungsvariante, die wir jetzt für die hessischen Bezirke gewählt haben. Ein Gutes hatte die Situation: der Austausch über alle Landesverbände hinweg war sehr positiv und wir wollen dies in Zukunft häufiger tun.

Doch bis zur Bekanntgabe der Entscheidung war noch einiges zu erledigen. Die Tabellen mussten neu berechnet werden und die Landesspielkommission musste über den Vorschlag entscheiden. Das bedeutete, dass wir auch in diesem Gremium die Premiere der ersten Videokonferenz erleben durften. Danach ging das Thema noch einmal in den Vorstand und letztlich musste die Publikation vorbereitet, geprüft und durchgeführt werden.

An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an alle Beteiligten für ihren Einsatz am Wochenende, teilweise bis spät in die Nacht. Ebenso an unseren Präsidenten, die Bezirksspielwarte und die Staffelleiter für ihre Zeit und ihre Ideen.

Was waren die größten Probleme beim Thema „Wertung der abgebrochenen Saison“?

Wir konnten, wie gesagt, der DVV-Regelung nicht genau folgen und mussten einen mathematischen Ansatz zu Hilfe nehmen. Dies bedeutet automatisch, dass es immer Bevorteilte und Benachteiligte einer Regel geben wird und somit auch immer Unzufriedenheit bei einigen. Wir haben uns durchaus viele Gedanken zu diesem Thema gemacht.

Aber letztlich musste unter Abwägung vieler Faktoren eine Entscheidung getroffen werden. Dies habe ich, dies haben wir, getan. Vermutlich wird unser Vorgehen nicht überall auf Zustimmung stoßen. Daher wollen wir das Format der Dialogtage nutzen, um ins Gespräch zu kommen. Ich hoffe, dass die Vereine und Mannschaften dies respektieren können, denn wir wollen sie sicherlich nicht bewusst verärgern. 

Was passiert aktuell beim HVV in Vorbereitung auf die nächste Saison?

Sehr viel. Wir versuchen die kommende Saison trotz der Umstände erst einmal regulär zu planen. Das heißt Meldefristen etc. sollten vorerst gleich bleiben. Aber wir machen uns auch Gedanken über alternative Szenarien. Aufgrund der aktuellen Themen gibt es auch noch ein paar Rückstände, die es zu beseitigen gilt, so zum Beispiel der Rahmenspielplan für 2020/21. Ja, und dann gilt es die Dialogtage zu organisieren.

Ein paar Schlussworte von dir persönlich?

Wenn ich darf, würde ich gerne noch einen Wunsch äußern:
Ich wünsche mir, dass die nächste Saison im ehrlichen, sportlichem Wettkampf unter Volleyball-Begeisterten ausgetragen werden kann. Sei es in der Halle oder im Sand, egal ob BFS, egal ob Erwachsene, Senioren oder Jugend.

In diesem Sinne bleibt gesund!


Zur Person

Timo Geppert
Vorsitzender der Landesspielkommission

  • 41 Jahre
  • verheiratet, 2 Töchter
  • spielt seit 27 Jahren Volleyball bei DJK Freigericht und (aktuell) TSV Hanau
  • 2005 – 2007: Klassenleiter
  • 2007 – 2017: Bezirksspielwart Mitte
  • ab 2020: Vorsitzender der Landesspielkommission